Der ATM Gemeinde-Check
von Mag. Philipp Bergauer
„Wo liegen wir denn im Vergleich?“ - Eine Frage, die den ATM-Abfallberatern besonders am Jahresende häufig gestellt wird, denn Budget- und Gebührenbeschlüsse stehen an der Tagesordnung der Gemeinderatssitzungen.
Ohne das Gebührensystem näher zu betrachten und dahinter stehende Leistungen zu berücksichtigen, würde man sprichwörtlich „Äpfel mit Birnen“ vergleichen.
Die ATM hat sich dieser Problematik angenommen und mit dem „Gemeinde-Check“ ein Benchmarking-Instrument entwickelt, das es ermöglicht, Kosten und Services aus Sicht der Bürger objektiv zu vergleichen und transparent zu vermitteln.
Wie konnte das Problem gelöst werden, die Vielfalt an Gebührenmodellen miteinander vergleichbar zu machen? „Mit einer einfachen und zugleich genialen Idee“, erklärt Projektleiter Mag. Philipp Bergauer. „Wir kreierten eine Modell-Familie, die sich in allen Gemeinden gleich verhält, d.h. das selbe Konsum- und Abfalltrennverhalten und die gleichen Wohnumstände, egal wo sie lebt.“ Genauer gesagt, wurden 2 Familien definiert, eine zwei- und eine vierköpfige, mit genau festgelegten Jahresanfallmengen von gebührenrelevanten Abfallarten.
Um die nun kalkulierbaren Jahresabfallgebühren wirklich vergleichen zu können, waren noch weitere Schritte nötig, die das ATM-Benchmarking zur derzeit wohl innovativsten und genauesten Stärken- und Schwächenanalyse für die kommunale Abfallwirtschaft machen.
1) Die Einteilung in 4 Gemeinde-Kategorien, abhängig von der Einwohnerzahl und der touristischen Ausprägung ermöglicht es, ähnlich strukturierte Gemeinden zu vergleichen.
2) Ein Serviceleistungskatalog beleuchtet die für die verrechneten Gebühren gebotenen Gegenleistungen an die Haushalte.
Mit Hilfe einer komplexen Nutzwertanalyse konnten diese Leistungen in verschiedenen Ausprägungen unterschiedlich gewichtet werden. Z.B. ergeben sich aus der Anzahl der Öffnungsstunden eines Abfallwirtschaftszentrums entsprechende Punkte, diese sind aber höher an einem Freitagnachmittag oder Samstagvormittag als an einem anderen Wochentag. Die Gewichtung der Serviceleistungen wurde mit Hilfe eine Bürgerumfrage erstellt . Um all diese Auswertungen zu ermöglichen, wurde in 2 Jahren Arbeit eine umfangreiche Datenbank erstellt.
Ergebnisse
Die Vergleiche der Pro-Kopf-Mengen, der Gebühren und der Serviceleistungen bringen für sich schon viele „Aha“-Erlebnisse. Besonders bei der Gegenüberstellung von Gebühren und Service-Punkten wird aber deutlich, wie groß die Unterschiede sind. Z.B. bezahlt der 2-Personen-Haushalt in Gemeinden mit ca. 200 Service-Punkten zwischen 50,- und 140,-€ pro Jahr, je nach dem, wo er lebt. Von der 4-köpfige Familie werden für ebenso vergleichbare 200 Service-Punkte zwischen 100,- und 200,- € pro Jahr eingehoben.
Jeder ATM-Gemeinde wird kostenlos ein Bericht erstellt und vom zuständigen ATM-Berater präsentiert. Die Ergebnisse sind immer anonymisiert, d.h. die Werte aus diversen Vergleichsgemeinden sind nur als Punkte im Streuungsdiagramm dargestellt.
Ziele
Mit dem Gemeinde-Check hat die ATM ein Werkzeug erstellt, das eine Stärken-Schwächen-Analyse für Gemeinden ermöglicht. Neben dem Gebührenvergleich gilt es vor allem, die Serviceleistungen für die Gemeindebürger/innen zu optimieren. In den Auswertungen kam z.B. deutlich zum Vorschein, dass viele Gemeinden im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit (Gemeinde-Website, Umweltfibeln) ohne einen großen Kostenaufwand das Bürgerservice verbessern können. Durch gezielte Optimierungsmaßnahmen können auch Kostenreduktionen bei einem gleichbleibenden Service-Level erreicht werden.
Ausblick
„Wir betrachten in diesem ersten Bericht des Check-Schecks drei Zahnräder des kommunalen Abfallwirtschaftsbetriebes: Mengen, Serviceleistungen und Gebühren. Weitere 2 Zahnräder - die Sammellogistik und die Ausgabenanalyse - werden wir im nächsten Durchlauf auch angehen“, verspricht Bergauer. „Wir können mit diesem Programm Maßnahmen simulieren oder anstatt eines Haushaltes z.B. einen Gastronomiebetrieb für die Gebühren- und Servicekalkulation einsetzen. Eine Vereinheitlichung der derzeit mehr als 15 verschiedenen Modelle von Abfallgebührenverordnungen bzw. Berechnungsmethoden alleine in den Bezirken Innsbruck-Land und Schwaz würde die Sache außerdem erheblich leichter machen.“
Der Check-Scheck wird künftig im Zweijahresintervall für ATM-Gemeinden angeboten werden. Auch Gemeinden außerhalb der ATM, die sich dafür interessieren, können sich zum Programm anmelden.
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