ATM Impulse - Der Zukunftsdialog 2009
zeigt Wege zur Vermeidung von Lebensmitteln im Abfall
166.000 Tonnen genießbare Lebensmittel in Österreichs Mülltonnen
Kaufen, Konsumieren, Wegschmeißen – das ist der fatale Kreislauf. Und das Ergebnis: Wir leben „Im Land der Lebensmittel-Abfall-Berge“. Diesem brisanten Thema widmete sich der Impulstag der Abfallwirtschaft Tirol Mitte (ATM) in Schwaz. Im Zukunftsdialog 2009 orteten Experten Ursachen und Hintergründe, warum allein in Österreichs Haushalten jährlich 166.000 Tonnen genießbare Lebensmittel im Müll landen. Auswege aus diesem Dilemma gibt es.
Die Fakten. 166.000 Tonnen genießbare Lebensmittel schmeißen die Österreicher jedes Jahr in ihre Mülltonnen. Das sind pro Einwohner und Jahr 20 Kilo, in Wien sogar bis zu 40 Kilo Lebensmitteln. Allein mit dem in Wien entsorgten Brot könnte ganz Graz satt werden. Noch deutlicher: Mit den jährlich in Europa und den USA weggeworfenen Lebensmitteln könnte die ganze Weltbevölkerung sieben Mal ernährt werden!
„Hunger ist die größte Massenvernichtungswaffe mit weltweit 36 Millionen Hungertoten pro Jahr“, rechnete der Tiroler Caritas-Direktor Georg Schärmer beim ATM-Zukunftsdialog 2009 den rund 200 Teilnehmern des ATM-Impulstages vor. Schärmer ortet im heillosen „Konsumismus eine neue Weltmacht“, dessen Ursache Überfluss, Neid und Verschuldung seien. Es gelte, so Schärmer, neue nachhaltige Grundhaltungen zu entwickeln. Denn, so Schärmer, „Überangebot macht nicht glücklicher. Wegschmeißen verteuert, sorgsamer Umgang mit Lebensmitteln rechnet sich“.
Weggeworfene Lebensmittel sind nicht nur ethisch und für die die Gesellschaft ein Problem, sondern auch für die Abfallwirtschaft, analysiert DI Felicitas Schneider. Die Wissenschafterin der Wiener Universität für Bodenkultur sieht einen nachhaltigen Ausweg aus dem „Land der Lebensmittel-Abfall-Berge“ nur durch langfristige und interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Konkrete Beispiele brachte beim ATM-Zukunftsdialog Franz Rybaczek von Komunitas mit „Blitzlichter gegen die Verschwendung“. Die Bandbreite reicht vom verbrauchsorientierten Einkaufen jedes Einzelnen bis zu Initiativen in Handel, Gewerbe und Industrie. So gibt es u.a. Restaurants, die nur auf Vorbestellung kochen; große Handelsketten, die unverkaufte Lebensmittel an Sozialmärkte und andere Verteilungsinitiativen abgeben; Kommunen, die selbst aktiv sind, um Lebensmittel im Abfall zu dizimieren.
Mag. Alexander Stelzer von SPAR Österreich verwies beim ATM-Zukunftsdialog auf die forcierte Regionalität von SPAR: Diese reicht vom SPAR-Märkten vor Ort, Lieferanten aus der Region bis zu im Land produzierten Eigenmarken und Produktmengen, die Rücksicht auf die neuen Lebensumständen der Konsumenten (Singles, Senioren etc.) nehmen. Außerdem forciert SPAR die Kooperation mit so genannten Sozialmärkten, die speziell den Bedürfnissen von Sozialschwachen gerecht werden. In diesem Zusammenhang kündigte Caritas-Direktor Schärmer die Gründung eines Dachverbandes der Österreichischen Sozialmärkte an – eine Initiative, die von Abfallwirtschaft Tirol Mitte mitinitiiert ist.
Einig sind sich alle Experten des ATM-Zukunftsdialogs, dass an den gängigen Grundhaltungen der Konsumenten gerüttelt werden müsse, um den Berg genießbarer Lebensmittel im Müll abzubauen. Ansätze seien Impulse zum Wertewandel, in der Erziehung, im bewussteren Kaufen und Konsumieren bis zu einer neuen Kultur des Essens. Regional seien auch die Gemeinden mit Initiativen gefordert. Dabei ist die Abfallwirtschaft Tirol Mitte den Kommunen eine wichtige und wertvolle Stütze. ATM-Geschäftsführer Dr. Alfred Egger betont: „Die ATM ist von Tirol aus ein starker Partner, um österreichweit Allianzen im Kampf gegen die Lebensmittel-Abfall-Berge zu schmieden.“
Bilder zum Event
Rückfragen: Abfallwirtschaft Tirol Mitte (ATM), Telefon 05242/62400 oder 0664/2420896 Alexander Würtenberger
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